Über das Technische Tauchen (Tec-/Tech-/Tek-Tauchen) hört man immer wieder die verschiedensten Meinungungen: "Nur für Verrückte", "Der beste Weg in die Privatinsolvenz", "Alles lebensmüde Freaks" oder "Mir wäre das alles viel zu aufwändig".

 

Das erstaunt mich immer etwas, da der Begriff des "Technischen Tauchens" nicht eindeutig zu definieren ist.

Die aktuelle Definition im Wikipedia Artikel "Technisches Tauchen" (Stand Mai 2017) gefällt mir allerdings sehr gut: "Unter technischem Tauchen [..] werden verschiedene Formen des fortgeschrittenen Sporttauchens zusammengefasst, bei denen zusätzliche oder spezielle Tauchausrüstung eingesetzt wird. Die Übergänge vom nicht-technischen zum technischen Tauchen sind fließend und hängen unter anderem von der festlegenden Tauchorganisation ab."

Da der VDST eine Tauchorganisation ist, gibt es dementsprechend auch eine eigene Definition entsprechend des Ressort Mischgastauchen: "„Technisches Tauchen“ steht im VDST für Formen des Sporttauchens, bei denen Mischgase eingesetzt werden, um sicher größere Tauchtiefen und/oder eine optimierte Dekompression zu erreichen. Der Begriff Technisches Tauchen stammt ursprünglich vom Einsatz „Technischer Gase“ (z.B. Helium oder Sauerstoff)."
 

 

Versuch einer eigenen Definition?

Allerdings glaube fällt es nicht nur mir es schwer, hier eine klare Trennung zwischen "Fun Tauchen", "Recreational Diving", "Urlaubstauchen", "Sporttauchen", "Technischem Tauchen" und was uns noch so alles einfallen mag, zu finden.

 

Oft hört man Aussagen wie "Technisches Tauchen fängt beim Overhead Environment" an. Also sobald man nicht mit einem einfachen Notaufstieg wieder an die Oberfläche kommen kann. Dies ist natürlich in Höhlen der Fall, aber auch bei dekompressionspflichtigen Tauchgängen. Ist das also der entscheidende Unterschied? Allerdings ist ein Notaufstieg aus 40m zum Ende der Grundzeit (bei welchem Dekompressions-/Nullzeit-Algorithmus auch immer) ein sehr riskantes Unterfangen und sollte sicher auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Zumal die Nullzeit oft durch eine proprietäre Implementierung der Hersteller von Tauchcomputern vorgegeben und damit zumindest mit Vorsicht bedacht werden sollte.

 

Tatsächlich glaube ich nicht, dass wir hier auf eine Universalformel kommen. Allerdings bin ich der Meinung, dass dies auch gar nicht notwendig ist. Eine klare Schubladen-Trennung lässt sich sicher in der Theorie definieren: Da gibt es zum einen den Urlaubstaucher, der ohne einen professionellen Guide nicht ins Wasser geht und der dafür bezahlt dass er wieder sicher aus dem Wasser kommt. Darauf folgt der Sporttaucher, der bestehende Muster wie den Nullzeitalgorithmus und die CE zertifizierte Ausrüstung nutzt und eigenverantwortlich Tauchgänge durchführt. Und letztlich den Tec-Taucher, der bestehende Muster hinterfragt und bestrebt ist, sein Tauchverhalten wie auch -konfiguration auf maximale Effizienz bezüglich des Vorhabens zu optimierien.

Na, zu welcher Klasse gehörst Du? Ich nehme an, dass kaum jemand, der ernsthaft an dem Hobby Tauchsport interessiert ist, sich in exakt einer dieser Kategorien wieder findet.

 

Warum also eine spezielle Sparte "Technisches Tauchen" im Tauchsportverein Malsch? Und für wen?

Zweiteres lässt sich leichter beantworten: Für jeden, der daran interessiert ist sich unter Wasser mit einem Optimum an Sicherheit und Effizienz zu bewegen. Das betrifft nicht nur Tauchgänge jenseits der 40m (sinnvollerweise heutzutage meist 30m), wie in der klassischen Tauchausbildung gelehrt, sondern kann auch schon auf 3m Tiefe relevant sein.

 

Die Techniken, die ursprünglich für das Höhlentauchen in Florida entwickelt wurden bieten auch im badischen Baggersee große Vorteile für jeden Taucher. Und damit ist auch schon die erste Frage beantwortet: Ziel ist es nicht, Verrückte in möglichst großen Tiefen zu versenken. Ziel ist es, durch ein umfangreiches Training und eine bis ins Detail optimierte Ausrüstung jedem dabei zu helfen so sicher und effizient wie möglich den Tauchgang seiner Wahl gestalten zu können. Dies ist das Anliegen im Ressort "Technisches Tauchen" im Tauchsportverein Malsch.

Technisch kann man auch im Schwimmbad

 

Was also ist der Nachteil und warum steigt dann nicht jeder Taucher gleich in die "Tech-" Schiene ein?

Der große Nachteil liegt im Aufwand der dafür zu betreiben ist. Je komplexer der Tauchgang, desto besser müssen die Fähigkeiten der Taucher und der Ausrüstung auf diesen angepasst sein. Diese Fähigkeiten (körperlicher wie mentaler Natur) müssen aufwändig erlernt und trainiert werden.

 

Ein guter Einstiegskurs in das Technische Tauchen (welches Brevet auch immer), dauert sehr lange und ist deshalb heutzutage oft in mehrere Kurse aufgeteilt. Mein erster Kurs z.B. dauerte 7 komplette Tage von morgens um neun Uhr bis teilweise nach Mitternacht. Außerdem war er auf zwei Monate gesplittet, so dass wir während des Kurses noch gut 1/2 Duzend Übungstauchgänge ohne den Tauchlehrer dazwischen machen konnten. Und danach ist es nicht so, dass man es "kann". Allerdings lernt man zu erkennen was man nicht kann um dann in Folge daran zu arbeiten. Dieser kontinuierliche Verbesserungsprozess ist meines Erachtens das Schlüsselkonzept für ambitionierte Taucher.

 

Das ist natürlich ein schmaler Grat: Es liegt mir völlig fern Taucher zu verurteilen die sich dieser Komplexität nicht unterwerfen. Für alle Taucher gilt letztendlich: Alle Tauchgänge müssen innerhalb der eigenen Fähigkeiten und innerhalb der Komfortzone liegen. Das Technische Tauchen ermöglicht es einem lediglich die eigenen Fähigkeiten besser zu kennen und die Komfortzone erstaunlich auszuweiten.

 

Natürlich sind solche Trainings mit auch Kosten verbunden. Nicht nur finanzieller Art, sondern auch persönlich. Es ist sehr frustrierend, wenn die Übungen auch beim x-ten Mal nicht so klappen wie sie sollen oder bereits antrainierte Fertigkeiten wieder nachlassen. Diese Tatsache schreckt wohl die meisten von einem "technischen" Training ab und hat auch mich öfters daran zweifeln lassen ob der eingeschlagene Weg der Richtige ist.

Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt an dem man routiniert und ruhig auch kritische Situationen unter Wasser löst, bzw. vorher erkennt und gar nicht erst entstehen lässt.

 

Bleibt noch die Frage der Anschaffungskosten: Auch hier sei gesagt dass eine am technischen Tauchen orientierte Ausrüstung für die gleichen Tauchgänge nicht mehr kostet. Im Gegenteil, das Motto lautet in der Regel so wenig Ausrüstung wie möglich, so viel wie notwendig. Auch sind beispielsweise Regler und Auftriebshilfen in der Regel preisgünstiger da auf jeglichen Schnick-Schnack konsequent verzichtet wird. Natürlich bezieht sich die Ausrüstung beim Technischen Tauchen immer auf das angestrebte Vorhaben und man kann den Materialaufwand für einen 100m Tauchgang nicht mit einem Nullzeittauchgang vergleichen. Höchstens vielleicht in dem man das eigene Überleben mit auf die Rechnung setzt...

 

Als Fazit möchte ich zusammenfassen, dass sich eine Ausbildung im Technischen Tauchen für jeden ambitionierten Taucher lohnt, egal ob man nun auf 100m oder auch nur auf 10m tauchen will. Dabei muss es nicht gleich der Kurs und die Ausrüstung für viel Geld sein. In regelmäßigen Abständen Übungstauchgänge innerhalb der eigenen Grenzen sind hier Gold wert.

 

Bei Interesse oder weiteren Fragen, bitte zögert nicht auf mich zuzukommen!

Oliver Probst